Dienstag, 2. Oktober 2007

Zanken um Gott oder Differenzen der Begrifflichkeiten

Wenn der Eine sagt ich glaube an die Götter, dann ist das nicht dasselbe wenn ein Anderer sagt ich glaube an Gott.

Das liegt nicht an den unterschiedlichen Göttern, auch nicht ob es einer oder mehrere Götter sind. Es liegt ganz einfach am Verständnis des Begriffes Glauben.

Wenn der Eine sagt Gott ist in dir und ein Anderer sagt genau den identisch gleichen Satz, meinen Beide noch lange nicht dasselbe.

Das liegt sicher nicht an unterschiedlichen Konfessionen oder an unterschiedlicher Glaubensintensität. Nein, sondern an der unterschiedlichen Begriffsdefinition des Begriffes Gott.
Die völlig abgedrehten Spinner mit irgendwelchen Phantastereien mal außer Acht gelassen, gibt es oft Verständigungschwierigkeiten zwischen den Auffassungen.

Wenn ein Christ sagt:
"Ich glaube an den lebendigen Gott, seinen Sohn Jesus Christus der für meine Sünden starb und auferstanden ist und den heiligen Geist."

Wenn ein Asatru sagt:
"ich bin Asatru!"

Wenn ein Esoteriker sagt:
"ich glaube an die göttliche Energie und ein göttliches Bewusstsein."

...... Dann reden alle drei von völlig verschiedenen Dingen.

Durch mehr als Eintausend Jahre, einst fundamentaler und allen Bereichen durchdringender, und heute noch latent und umgangssprachlich gebrauchter christlicher Vorstellungen von Gott führen andere Sichtweisen zu Mißverständnissen.

Wenn der Christ es so ausdrückt wie oben beschrieben, drückt er mit seinem Bekenntnis weit mehr aus als oberflächlich zu lesen ist. Er, der Christ sagt damit aus.

Mein Gott ist ein lebendiger Gott, alle anderen Götter sind falsche Götter und nur tote Götzen. Er erhebt für sich den Anspruch den einzige Gott zu verehren, schließt jegliche andere Form von Gott Götter, Gott sein grundsätzlich aus. Nur durch das "Opfer" der Kreuzigung "der reinen Unschuld" Jesus kann Vergebung erlangt werden. Und eben nur durch den heiligen Geist Erkenntnis erlangt werden. Alles andere ist hohles Geschwätz.

Wenn der Asatru sagt wie oben beschrieben dann meint er auch nur was er sagt. Ich bin Asatru = den Asen treu. In der modernen Zeit umfasst diese Aussage das Göttergeschlecht der Asen und/oder Vanen eben den im "allgermanischen" vertretenen Götter.

Vergebung der Sünden, die Existenz möglicher andere Götter zu bestätigen oder abzulehnen. Die Überlegung ob es einen wahren oder viele mögliche Wege gibt. Diese Gedanken hat der Asatru vom Glauben her erst gar nicht. Diese Frage stellt sich ihm überhaupt nicht. Er vergleicht seinen Glauben nicht und sieht auch kein Konkurrenzbedarf.

Wenn der Esoteriker mit indischer Ausrichtung von göttlicher Energie des Seins spricht, wenn einige unausgegorene selbst ernannte Übersetzer indischer Weisheiten 1:1 übertragen und vom Gott des Selbst daherreden und sicher auch weise und gute Gedanken indischer und anderer Weiser aus den Völkern der Menschen zusammenwürfeln und daraus ein intellektuelles Tohuwabohu basteln (Bagwhan, und ähnliche sich für Gurus haltende andere und Verführer) dann ist das auch was völlig anderes als was die anderen meinen wenn sie von ihrem Glauben sprechen.

Bevor man sich also auf ein Gespräch über Gott und Glauben einlässt sollte man erst einmal die Begrifflichkeiten klären. Ein Moslem der die Scharia als Rechtsmittel anerkennt und ein Anhänger Ghandis werden nie einige werden über die Gerechigkeit in der Ehe zweier Christen. (etwas überzogenes Beispiel)

Wenn ich mit einem Menschen mich über das Wesen der Götter, Gottes, des göttlichen unterhalten zu gedenke ist es wichtig vorab zu definieren was wie unter Gott verstehen und dann den möglichst besten gemeinsamen Nenner zu finden. Denn wie will ich mich Austauschen über Ansichten wenn die Begriffe anders verstanden werden. Wenn ich einem Lkw – Mechaniker erkläre wie ich mein 50ccm Moped aufgemotzt habe während der über die Zuleitung von Methangas in 30 t Lkws nachdenkt. Das führt mit Sicherheit zu Mißverständnissen denn beide reden über Motoren dennoch haben beide Motoren nichts miteinander zu tun und doch kommen beide Fahrzeuge vorwärts.

Es ist auch ein Fehler, manchmal ein schwerwiegender Fehler der vor allen von den Radikalvertretern einer Glaubensrichtung gemacht wird das alle Menschen das gleiche Ziel haben... bei den radikalen Christen geht man z.B. generell davon aus das jeder Mensch die Vergebung seiner Sünden sucht. Was natürlich eine irrige Annahme ist. Denn selbst die meisten Christen die mir bekannt sind hatten ganz andere Motivationen nach diesem Gott zu fragen.

Andere Radikaler gehen davon aus sie seien der Weisheit letzter Schluß... das gibt es übrigens in allen Religionen Ideologien Philosophien. Eines haben diese radikalen immer gemeinsam. Sie glauben anderen erklären zu müssen wie die Welt funktioniert und welcher der richtige Weg ist. Ich selbst nenne sie Klerikalfaschisten ein durchaus treffendes Wort.

Menschen die fähig sind Begrifflichkeiten zu definieren und den gemeinsamen Nenner zu finden diese werden immer einen Austausch haben auch mit Menschen anderen Glaubens. Sie können einander sogar nützlich sein zu weit aus mehr als nur einer einfachen Horizonterweiterung.

Keine Kommentare: