Dienstag, 13. Oktober 2015

Soziale Verrohung - Soziales Bewusstsein - Ich, Du, Wir


Soziale Verrohung oder Die Gleichgültigkeit sozialen Bewusstseins

Es sind nur Kleinigkeiten, die mir immer wieder auffallen. Die aber kontinuierlich. Angefangen beim Entmüllen von Hosentaschen, Autos und Anderem was man eben mal unterwegs fallen lässt. Getränkedosen und Flaschen, Eispapier usw. Das gab es auch früher schon. Aber lange nicht in dem Ausmaß. Selbst wenn ein leerer Papierkorb keine drei Meter entfernt steht. Und ich rede hier nicht von Menschenansammlungen irgendwelcher Events, die sind dann nochmal eine ganz andere Hausnummer, sondern vom ganz normalen Alltag.

Der Neoliberalismus fördert die zwischenmenschliche Verfeindung  (irgendwo aufgeschnappt. Verstehen tue ich ihn nicht wirklich)

 

„Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen Wäldern einem aggressiven Grizzlybären. Während der eine in Panik gerät, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: ‚Bist du verrückt? Niemals werden wir schneller laufen können als der Grizzlybär.‘ Und sein Freund entgegnet ihm: ‚Du hast Recht. Aber ich muss nur schneller laufen können als du.‘“ (Robert Stern)

Diese kleine Geschichte zeigt wunderbar auf “Jeder ist sich selbst der Nächste“ Das ist genau die realistische Sichtweise zu. – “Ich bin tolerant und jeder soll tun was ihm beliebt solange er andere … bla, bla, bla“. Ich hasse diese nichtssagende Floskel.

Toleranz ist, wie ich schon anderweitig ausführte. etwas zu dulden. Jemanden, oder Etwas Raum zu geben, von dem Raum den ich bis dato besetzte. Genau gesagt, Toleranz beginnt da wo ich mich, wegen des Anderen zurück nehme. Alles andere ist Gleichgültigkeit. Und aus dieser Gleichgültigkeit resultiert auch „wenn ich schneller bin als du – wirst du gefressen und ich bin sicher. Siehe obige Geschichte. Statt zusammen einen schweren Ast an zu spitzen und gemeinsam gegen den Feind zu stehen. Und so beide zu retten. Nee, nee erst mal zählt allein die Individualität. Hauptsache ich.

Aus dieser “Moral“ heraus ist es eben leicht zu sagen “Ich toleriere jeden.“ Nein, ich interessiere mich nur nicht für ihn. Und letztendlich ist es mir egal was der Andere tut. Und das wird dann Toleranz genannt. In Wahrheit ist es eben nur Gleichgültigkeit und genau aus dieser Haltung wird aus Hilfsbedürftigkeit schließlich Einsamkeit. Und in der Einsamkeit wird die Hilflosigkeit geboren. Wo die Spirale der Verdrießlichkeit, so nenne ich sie, anfängt? Ich weiß es nicht genau. Bei jedem mag ein anderer Ansatz sein, aber fast jeder kommt da einmal rein. Allein wie lange wir verweilen liegt an uns selbst. 

Das raus kommen aus der Gleichgültigkeit ist so einfach, so simpel, ja jeder Idiot kann das, ebenso wie jedes Genie. Begegnet den Menschen denen ihr begegnet. Lächelt einander an wenn ihr mit dem Rad einander begegnet, sucht den Augenkontakt. Ist übrigens auch nebenbei hilfreich wenn die Vorfahrt nicht eindeutig ist. Oder wenn ihr morgens in die Bahn steigt, sagt einfach mal laut (nicht schreien) es reicht die direkte Umgebung, sagt einfach mal Moin. Wahrscheinlich wird niemand reagieren, macht das eine Woche lang ein paar werden den Gruß erwidern. Wenn nun wirklich keiner reagiert nehmt einen Bus / Bahn später versucht dasselbe. Wenn ihr Glück habt antworten einige freundlich, und das kann sich ausbreiten. Nicht ignorieren, nicht tolerieren, annehmen

Tolerante Menschen geben anderen Raum in ihrem Raum und lassen nicht einfach nur ihre Existenz zu. So einfach ist das.

Ich kann alle ignorieren, das geht. Es ist aber unmöglich alle zu tolerieren. Alle in meinen Lebensraum zu holen. Und ebenso wie ich einige toleriere muss ich einige ignorieren und einigen verweigere ich meine Toleranz. Individualität ist nicht alles zu machen was einem gerade in den kopp kommt, sondern die Möglichkeiten zu variieren, in denen ich mich bewege.

Für mich ist das eine einfache Sache!

Liberal bedeutet alles zu zulassen was nicht direkt meinen individuellen Lebensraum beeinträchtigt. Und das ist eine absolut kaltherzige Gleichgültigkeit der Gemeinschaft gegenüber in der man lebt und selber Raum beansprucht.

Egoismus in reinster Klarheit. Für mich die widerlichste Art zu leben.

Ein soziales Leben sieht anders aus. Ein “Wir“ wird nicht erreicht, durch das Ignorieren aller anderen, sondern das kümmern. Das aneinander Anteil nehmen. Durch das Wahrnehmen des Anderen und eben den Willen zum Austausch.

Ich bin selbst sicher kein Moralprediger und viele der von mir kritisierten Verhaltensweisen treffen auch auf mich zu. Allerdings hab ich nie vorgegeben tolerant zu sein, sogar das Gegenteil. Aber ich habe auch nicht andere verflucht die anderer Meinung waren, anders handelten. Spricht sich jemand für die bedingungslose Aufnahme von Flüchtlingen aus. Soll er das tun. Spricht sich jemand für einen Stopp der Aufnahme aus. Soll er das tun. Aber in jedem einen Nazi sehen der Ängste hat vor so vielen aus fremden Welten. Andererseits jeden als Volksverräter und schlimmeres zu beschimpfen der sich für diese Flüchtlinge einsetzt ist dem jeweils anderen völlig gleich, er lebt in Ignoranz und Verachtung. 

Toleranz ist auch das zu zulassen das der Andere Gefühle, Empfindungen und Meinungen hat die man selber weder für gut befindet, noch nachvollziehen kann. Und nochmal, die Moschee zulassen drei oder vier Querstraßen weiter ist keine Toleranz sondern Gleichgültigkeit, das dagegen sein eine eher unbegründete Angst, das aktiv dafür oder dagegen einsetzen. Ein Einmischen in Dinge die dich nicht betreffen. Misch dich ein gegen das wegschauen, gegen das Wegwerfen von Müll in Parks usw.

Nägel mit Köppen


Eine Moschee zu zulassen ein paar Straßen weiter ist kein Merkmal für Toleranz und schon gar nicht für ein soziales Gewissen. 

Eine Moschee in derselben Straße, 50m weiter oder näher ist Toleranz, wenn diese Moschee auch Minarette hat plus Ausrufer ist das hochgradig tolerant oder aber auch nur Ohnmacht. 

Flüchtlinge aktiv zu unterstützen ist nicht tolerant, nein das ist soziales Handeln. Den Obdachlosen aber ignorieren der seit Jahren vor dem Supermarkt bettelt wo du einkaufst, das ist asoziales Handeln, ihn dort zu dulden ist aber durchaus tolerant. Oder aber auch Gleichgültigkeit. 

Die Oma ins Altenheim zu bringen ist manchmal eine soziale Notwendigkeit und manchmal ein soziale Kälte die ihresgleichen sucht.

Asylheime in Brand setzen ist immer asoziales Verhalten und terroristische Aktion. Gegen überfüllte Asylheime sich einsetzen kann durchaus sozial motiviert sein. 

Einem Anderen von dem zu geben was man selber nicht braucht bedarf einer minimalen sozialen Einstellung aber keinerlei Toleranz

Einem Anderen von dem zu geben was man selber benutzt zeugt von sozialem Gewissen und von Toleranz
Einem Anderen von dem zu geben was man selbst braucht von dem man nicht selbst genug hat das ist ein hohes soziales Gewissen und eine hohe Toleranz. 

Das trifft auf die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Beispiele zu. Auch auf Meinungsbildung und politische Einstellungen.

Soziales Gewissen ist eine Sache die man lernt. Toleranz ist eine Charaktereigenschaft. Macht was draus, bei euch, nicht bei Anderen. Aber nicht gegenüber euch sondern gegenüber dem Anderen. 

Keine Sorge ich bin teilweise und auch genauso oft verwirrt darüber wenn ich das versuche bei mir zu integrieren.


Der religiöse Aspekt

Glaubensausrichtungen und ihre diversen Gemeinschaften, gleich welcher Ausrictung, welchen Göttern sie auch folgen, haben irgendwo in ihrem Wertgefüge mal mehr oder weniger differenzierte Formen der Toleranz, der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft in ihre Lehren integriert. Ob und in welcher Form diese durch ihrer Angehörigen vertreten werden soll hier nicht erörtert werden, nur in soweit, keine erfüllt wirklich ihren eigenen Anspruch. Einige Einzelne, unabhängig welchem Glauben sie angehören, gelingt das vorbildlich, doch es ist nicht die Regel.

In meinem Glauben ist das nicht anders. Gastfreundschaft genießt höchste Priorität. In der Praxis bin ich weiter davon wech als Kim Jong An von einem Job beim Emma-Magazin.

Natürlich empfange ich gelegentlich Besuch, der auch Speis und Trank und auch schon einen Schlafplatz erhielt, aber das waren ausgesuchte Leute. Ich spendete für Greenpeace, für Kinder denen sterbend ein letzter Wunsch erfüllt wurde. Für Tierrettung auch schon usw. nach dem Tsunami griff ich tiefer in meine Tasche als sonst. 

Doch würde ich meine Nachbarn aufnehmen wenn denen die Bude ausbrennt? So und das jetzt auf größere Ereignisse übertragen??? Ich mag garnicht drüber nachdenken. Ich schäme mich ddeswegen sogar, Aber nicht soweit das ich es aus dem Stand ändern wollte, könnte, würde.

Ich weiss auch nicht wie das genau zu lösen ist. 

Ich weiss aber das unsere Gesellschaft, unsere Welt so aufgebaut ist das das Individuelle über allem steht und das einfachste Wir schon enorm schwierig ist für den Einzelnen.

Ich bin beim Bewusstwerden und beim Umdenken, beim Handeln noch nicht, das bekomme ich noch nicht hin, aber ich bin mir dieser Unzulänglichkeit wenigstens schonmal bewusst. Ich will nicht sozial verohen!

Und DU?