Mittwoch, 20. Mai 2015

Emotionen - Verdrängung und Auslebung



Emotion

 
Da steht recht viel und auch fein säuberlich charakterisiert, differenziert und aufgelistet wie, wo, was Emotionen sind oder eben nicht und wie sie sich zu dem Begriff Gefühle verhalten.
Nun, das mag ja alles so richtig und wissenschaftlich fundiert sein. Ist mir aber mehr oder weniger Wurscht.

Emotionen umfasst für mich das ganze Paket von Erleben, erfahren, Empfinden, Verstehen Anwenden und auch Ausleben. 

‘‘Unserer“ Generation (1955 – 1965 geborene) wurden Emotionen fast ab-erzogen. Die Logik und die Beherrschung seines Selbst waren der Weisheit letzter Schluss. Je mehr man sich und seine Emotionen unter Kontrolle hatte, je mehr galt man als fortschrittlich in seiner Entwicklung.

Meines Erachtens wirkte sich das auch in der Kunst aus. Symbolismus, “Künstler“  wie Beuys, Dali und ähnliche beherrschten und bestimmten was denn echte Kunst wäre. Die Lebensbereiche der Menschen wurden funktionell ob im beruflichen oder im privaten. Wut, Liebe, Gefühle zeigen war verpönt. Die Woodstock-Generation der 1940 -1950 Generation kannten und lebten noch Emotionen. Bei uns war das schon anders. 

Alles Wissenschaftliche, alles Logische, Funktionelle, wurde zum heiligen Gral, zum Sinnbild der Zivilisation. Schneller – Höher – Weiter. Wettbewerb war das Zauberwort und nicht nur in der Wirtschaft oder im Sport. Emotionen störten da nur.

Wer sich zu den Intellektuellen zählte, oder zählen wollte, der war frei von Emotionen. 

Man erinnere sich an Mr. Spok den Mensch/Vulkanier der seine Logik erfolgreich gegen seine unergründlichen Tiefen der Emotionen setzte. Beispielgebend für die Zeit damals. Bis in die Sexualität reichte die verstandesmäßige Behandlung. Alles wurde analysiert, theoretisiert und mechanisiert. Sogar die Wälder wurden gefegt. Alles ging den Weg der Konformität.

Genauso wuchs ich gesellschaftlich auf. Und eben nicht nur ich sondern eine ganze Generation. 

Aber ich hatte auch ein Elternhaus, zu meinem Glück ein sehr Gutes. Ohne emotionelle Verneinung. Gefühle wurden zumindest zu einem großen Teil gelebt. Es gab Streitereien auch schon mal lautstark. Es gab auch mal den Arschvoll (Nein, ich wurde nicht misshandelt). Zärtlichkeit war kein Tabu (Nein, mein Vater hat mich nicht angefasst) Emotionen fanden ihren Raum und wurden gelebt in unserer Familie. 

Und doch, ich lernte Emotionen zu kontrollieren ja sogar bewusst und kontrolliert ein zu setzen. Selbst wenn ich Gewalt anwenden musste / wollte, selbst dann war es überlegt. Aufwand, Nutzen, und Folgen gegeneinander abgewogen. Dasselbe Schema galt auch für Sex. Es galt für einfach Alles. Nicht Erleben, Erfahren, war der Zweck sondern der “technische“ Nutzen.

Was für arme Menschlein wir doch wurden.

Ich rühmte mich sogar meine Emotionen kontrollieren zu können, Nichts konnte mich verletzen. Alles wurde auf Aufwand und seinen Nutzen reduziert. Auch das Zwischenmenschliche in jedweder Form unterlag diesem Denken. Das Individuelle, die Entwicklung der Individualität nach Logik und Nutzen war das Ziel. Wir merkten gar nicht dass wir zu Robotern unserer Selbst wurden.

In dieser Zeit wurden Filme wie Fahrenheit 451und Orwell 1984 (zwar als Buch schon ende 1948 geschrieben) ausgestrahlt 1966 und 1984 in dessen Zeitraum wir aufwuchsen und sich auch kritisch mit den Thema wenn auch vielleicht sekundär auseinandersetzen
 Roboter ist eigentlich der falsche Begriff. Denn wir konnten unsere Emotionen ja nicht gänzlich ausschalten, wir suchten sie zu kontrollieren zu portionieren zu beschneiden in ihrer Fülle.

Was wurde daraus?

Mit der Zeit wurde daraus ein neues Ziel: Die gelebte Individualität des Einzelnen ohne Rücksicht auf alles andere.

Täter wurden zu Opfern, Schuld war die Gesellschaft, manchmal auch Vater, Mutter oder Umstände. Nur eben man selber nicht. Wie vertrug sich das nun mit der gelebten Emotionsbeherrschung?

Überhaupt nicht! – Es entstand ein Vakuum! – Individuelles Ausleben – Selbstbeherrschung!

Die Folge waren massenhafte gestörte Persönlichkeiten und die Psychofritzen haben seit dem Hochkonjunktur.

Im Jahr 2005 +/- ein Jahr, erlitt ich einen Hinterwandinfarkt der zwar für sich genommen nicht lebensbedrohlich war aber doch weitreichende Folgen nach sich zog.
Eine der wesentlichsten Veränderungen die mich sozusagen eiskalt erwischten war das ich einfach nicht mehr in der Lage war meine Gefühle zu kontrollieren. Alle Arten von Emotionen suchten sich Bahn brechend ihren Weg.

Alle möglichen und unmöglichen Dinge berührten mich und verursachten Reaktionen. Die heftigsten waren Trauer, Wut, Hilflosigkeit. Aber auch Filme mit emotioneller Grundlagen (Gost - Nachricht von Sam) hatte seine Wirkungen. Anfangs knallten mich diese Emotionen regelrecht vom Hocker. Ich entging ihnen nicht. Ich kämpfte dagegen an und verlor immer.

Dann lernte ich diese Emotionen zu akzeptieren, Gefühle zu zulassen, Ja sie bewusst zu leben. Alle Gefühle und emotionellen Erfahrungen bewusst zu leben und zu integrieren. Von Stund‘ an ging es mir besser. Ich begann mein Leben wirklich zu leben und nicht meine Kraft darauf zu verwenden alles zu ordnen und zu beherrschen.

Mein Erleben erfuhr ungeahnte Ausmaße bis hin zu spirituellen Erfahrungen. Im Einzelnen will ich das hier nicht propagieren. Nur so viel sei angemerkt. Es ist etwas Wunderbares seine Emotionen zu leben. 

Sich in seinen Emotionen ständig zu kontrollieren oder diese zu beschneiden macht dich krank, Die Psyche leidet. Selbst der Körper kann davon betroffen sein. Wer an ganzheitliche Medizin glaubt, der weiß auch zwangsläufig das die Unterdrückung von Emotionen dem Menschen letztendlich Schaden zufügt und das nicht unerheblich.

Individualität die ach so hoch gepriesen wird, in Verbindung mit Toleranz gegenüber Allem und Jedem ist ohne Emotionen. Ein totes Leben, ein vegetieren.

Individualität - darunter verstehe ich, sich selbst zu erfahren, sich selbst zu leben mit seinen Emotionen. Wenn ich meine Emotionen zulasse dann kann ich sie kanalisieren. Und was ich kanalisieren kann, das kann ich nutzen. 

Übrigens, ein künstliches Gutmenschentum und mit entsprechender intellektueller Anspruchsselbsttäuschung und emotionsbeschränkter Einstellung ist niemals erstrebenswert. 

Seine Emotionen bewusst zu leben, ist Teil von Selbsterkenntnis und sich selbst erfahren und bietet Möglichkeiten und eben Erfahrungen die sich nüchtern betrachtet, niemand vorstellen kann der es nicht selber erlebte.


Keine Kommentare: