Mittwoch, 25. Oktober 2006

Religion und Glauben

Sind Religion und Glauben dasselbe? Oder unterscheiden sich die beiden Begriffe sogar gravierend? Immer wieder hört man Sätze, die das sagen ...

Religion ist Opium fürs Volk. ... Die Religion wurde von Menschen geschaffen das Volk zu reglementieren. ... Religion dient den Mächtigen, bezahlen müssen es die Ohnmächtigen ... Glaube lebt, Religion ist tot. ... Ich habe keine Religion ich habe einen Glauben.

Gibt es denn überhaupt Religion ohne Glauben? Oder gibt es Glauben ohne Religion? Bedingt das eine nicht das andere?

Es empfiehlt sich also eine Begriffsdefinition zu den Begriffen Religion und Glauben voran zu stellen. Damit ein einheitliches Begriffsverständnis die Unterschiede überhaupt zu differenzieren vermag. Es ist übrigens vorteilhaft das in allen Grundsatzdiskussionen zu tun. Mehr als die Hälfte aller Mißverständnisse entstehen durch unterschiedliche Begriffsdefinitionen. Indem man seine Definition auf den anderen einfach überträgt.

Die Definition des Begriffs http://de.wikipedia.org/wiki/Religion Religion wandelte sich im Laufe der Zeiten und ist abhängig vom Standpunkt, wohl immer noch nicht endgültig geklärt. Ich jedenfalls gehe davon aus das Religion die praktische Umsetzung und organisationelle Gestaltung des Glaubens einzelner zu einer Gruppe gleichgesinnter ist. Wobei ich Religiosität sprich Frömmelei als reine Agitation in der Religion selbst, statt des Glauben Habens sehe. Einfacher ausgedrückt Religion = Organisation des Glaubens in der Gemeinschaft Gläubiger.

Die Definition des Begriffs http://de.wikipedia.org/wiki/Glauben Glauben ist je nach Ansatz (philosophisch, sach- oder personenbezogen.) prinzipiell aber, Die Annahme über einen Sachverhalt. Die beste Definition fand ich jedoch in der Bibel im Hebräerbrief Kapitel 11, 1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Auch als Nichtchrist und Anhänger eines völlig anderen Glaubens hat man kein Problem an zu nehmen was einem Richtig erscheint.

Sehr oft nun zeigt sich das Religionen auch als Selbstzweck existiert. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Glauben unflexibel wird. Wenn die erstellten Gesetzmäßigkeiten über dem Glauben, über der Gemeinschaft der Gläubigen steht. Immer dann, wenn eine, wie auch immer geartete Inquisition an Boden gewinnt. Wenn der Glauben selbst zur Gesetzmäßigkeit wird.

Glaube im Sinne des Gott – Glaubens, des Glaubens an einen oder mehrere Götter ist immer und ausschließlich die persönliche Bindung des Gläubigen an das "Objekt" seines Glaubens. Oder besser formuliert die persönliche Bindung des Gläubigen an seinen/seine Gott/Götter. Wenn aber der Glaube des einzelnen eine individuelle Beziehung ist. eine individuelle Zuversicht auf das was man hofft. Die Zuversicht seiner Hoffnung. Dann ist der Glauben aller nie der Glauben des Einzelnen und umgedreht. Wenn aber der Glaube des Einzelnen in sich anders ist das der des Anderen, wie kann es dann eine Gemeinschaft der Gläubigen geben? Wenn zwei Menschen versuchen ihre Eigenarten, auch die Eigenarten ihres Glaubens, verbinden wollen suchen sie den kleinsten gemeinsamen Nenner. Einen Punkt worauf beide sich einigen. Von hier aus suchen sie dann weitere Gemeinsamkeiten. Weitere Personen kommen hinzu, eine Gemeinschaft ist gebildet. Gemeinschaften insbesondere große Gemeinschaften bedürfen Rituale, Rituale die zum einen den Zweck haben den jeweiligen Glauben in der Gemeinschaft zu praktizieren aber auch als Erkennungszeichen untereinander, als Zeugnis anderen gegenüber und auch zur Festigung des Glaubens selbst. Der Glauben, die Rituale, die Gesetzmäßigkeiten alles zusammen bilden dann die Religion. Sind aber die Gesetzmäßigkeiten und Rituale überproportional in der Gewichtung dann tritt der Glaube hinter die Regularien dann steht die Religion über dem Glauben. Ich persönlich sehe das in unserem Kulturraum insbesondere bei der Katholischen Kirche als gegeben.

In meinem Glauben sehe ich schon vom Ursprung her keine Gefahr dieser Art. Ist der Asatru meines Wissens nicht an Gesetzmäßigkeiten gebunden wie sie den Buchreligionen zu Eigen ist. Sicher gibt es auch hier bestimmte Rituale aber niemand würde ernsthaft anhand der Durchführung eines Rituals dem anderen den Glauben absprechen. In keinem der heidnischen Glauben die in vielen Dingen vergleichbare Grundlagen aufweisen ( Ahnenverehrung, Naturbewußtsein, Göttervielfalt) ist die Religion als Selbstzweck vorstellbar.

Glauben ist Teil des Lebens, Glauben gibt denen die glauben Zuversicht. Religion ist die Organisation der Gläubigen zum Zwecke der gemeinschaftlichen Glaubenserfahrung.

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