Samstag, 20. August 2011

Ein heidnischer Tempel?


Nach dem Stand der Forschung gab es unter den Südgermanen (mehrheitlich das Gebiet des deutschsprachigen Raumes und nahes Randgebiet) keine von Menschen gebauten Tempelhäuser für die germanischen Götter. Wotan, Saxnot, Baldr, Frey und Nerthus, Freya, Sif und den anderen, im heutigen Asatru bekannten Göttern wurde in heiligen Hainen auf Lichtungen und in Mooren Opfer da gebracht und diese eben in solchen natürlich gewachsenen und auch nachbearbeiteten Orten gehuldigt.

Der alte Weg, die alte Sitte wie sie heute gepflegt werden haben sich den heutigen Umständen relativ angepasst. Sofern natürlich eine Anpassung nicht dem Kontext des Glaubens widersprach. Aber doch eben angepasst, ohne das man deswegen zum Esoteriker degenerieren muss.

Da wirft sich nun auch die Frage auf sollten, nein könnten die heutigen Nachfolger des alten Glaubens, die Asatru nicht auch Tempel bauen? Und was wären die Gründe die dagegen oder auch dafür sprächen?

Ein Hain ist nicht jedem bekannt nur wenige kennen seine Lage, seinen Standort. Er ist nicht so leicht zu schänden durch Farbschmierereien eben weil es weder Mauern gibt noch Türen. So mancher könnte in der Mitte eines Haines stehen und merkt es nicht mal. Andersherum kann eine Schändung, wenn der Hain einmal entdeckt, wesentlich ungestörter und vernichtender ablaufen. Die Wiederherstellung und auch Pflege eines Haines ist meist kostengünstiger und weniger Arbeitsaufwendig als eben eines Tempelhauses. Ein solches Tempelhaus ist natürlich in freier Landschaft meist weithin sichtbar. In einer Stadt ist ein solcher Tempel natürlich schneller ein Opfer von Schmierereien und Vandalismus, andererseits aber auch besser überwachbar.

Eine weitere Überlegung ist die Erreichbarkeit. Ein Blot, (Anrufung) durch zu führen mit mehreren Leuten ist oft auch ein Organisatorisches Problem wenn der Hain weit ab liegt aller zivilisatorischen Errungenschaften an den wir, insbesondere die “Großstadtheiden“ nun mal so gewöhnt sind. Auf der Musik CD Skaldenmet, vom Asatru-Ring-Frankfurt singt Michaela ein dem entsprechendes Lied das davon erzählt.

Ein Tempel innerhalb der Stadtgrenzen würde diverse Probleme der Organisation lösen und weitere vereinfachen. Aber natürlich ist ein solches Gebäude wie es auch aussehen möge einfach zu identifizieren und damit leichter angreifbar. Es ist eine Sache der Abwägung. Hinzu kommt das ein Hain weniger von den Menschen als von den Göttern ausgesucht wird. Ein Tempel aber immer Menschenwerk ist. Dennoch, dennoch ist die Überlegung eines Tempels nicht generell von der Hand zu weisen. Zumal unsere heidnischen Glaubensgeschwister in anderen Ländern durchaus Tempel betreiben. In einigen Städten gibt es ein durchaus relevantes Aufkommen an Menschen heidnischen Glaubens. Auch können sich mehrere Städte die regional (bis zu 100 km) zueinander liegen für einen Tempel zusammen schließen. Beispielsweise Bremen / Hannover /Hamburg könnten, nahe einer zwischen den drei gelegenen Kleinstadt, einen solchen Tempel in Erwägung ziehen. Eine einigermaßen geartete Infrastruktur wäre natürlich Voraussetzung. Erreichbarkeit mit Privatfahrzeug vom Auto bis zum Fahrrad, mit Bus und Bahn ebenso. Auch Beherbergungsmöglichkeiten Pension, Gasthof oder ähnliches auch ein so genanntes Strohhotel ist dabei nicht ohne Reiz.

Wie sowas zu finanzieren wäre, wer, wofür, welche Verantwortlichkeiten auch rechtsverbindlich übernimmt wäre zu klären. Einzelaktionen sind dabei eher hinderlich. Der VfGH, der Elderring, oder der Asatru-Ring-Frankfurt könnten dabei, unter regionaler Berücksichtigung, federführend sein. Eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit Riegers Faschotruppe der Artgemeinschaft ist dabei natürlich völlig ausgeschlossen, wie sonst auch. Politische Propaganda wie auch Vereinseigene Interessen sollte dabei gänzlich und in jeder Form absolut ausgegrenzt werden.

Wie ein solcher Tempel nun aus zu sehen hat. Welche baulichen und entsprechenden künstlerischen Aktivitäten drin ein zu binden sind, da wird wohl jeder oder fast jeder eigene mehr oder weniger Komplexe Vorstellungen haben. Ich zum Beispiel votiere für ein an den Seiten offenes auf 9 + 1 Säulen ruhendes Bauwerk dessen Dach ein Geflecht aus lebenden Zweigen ist, das ganze umrahmt von diversen Bäumen. Jede der 9 Außensäulen repräsentiert eine der neun Welten und in der Mitte als Hauptsäule eine mächtige Irminsul aus der an ihrem Fuße durch natürliche Filter bei Regen, entsprechend der Edda, sich ein Bach ergießt. Der dann wiederum im Boden des Tempels verschwindet. Das wäre so in groben Zügen meine Vorstellung. Das aber nur nebenbei.

Mein Aufruf gilt allen Menschen heidnisch / germanischen Glaubens gleich in welchem Verein, in welcher Gruppe oder auch Einzelpersonen. Überlegt euch die Möglichkeit eines oder mehrerer Tempel. Ist die Idee, sicher nicht neu, eine brauchbare? Ist ein solches Projekt überhaupt umsetzbar? besteht eine Notwendigkeit dafür? Steht der Kontext unseres Glaubens mit einem solchen Vorhaben im Einklang mit Zweckmäßigkeit und finanziellen Möglichkeiten? Redet darüber und dann wenn ihr für euch entschieden habt dass diese Idee gut ist, dann propagiert sie auch untereinander.

Ich selbst wäge für mich auch noch immer das Für und Wider ab und bin noch unentschieden darin.

Selbstverständlich spreche ich mich dagegen aus das der gute Geza Anspruch erheben kann dort Oberpriester, Chefgode, oder als Heidenpapst seinen hochherrschaftlichen sitz nimmt. Ich bin dagegen das ein solcher Tempel zu einem Repräsentationsort von Selbstdarstellern angeblich großer Anführer des Heidentums wird. Seine Hauptfunktionen sollten einen simplen Zweck erfüllen. Hier kann man allein oder in einer beliebigen Gruppe sein Blot halten, ohne das man an einen Verein gebunden ist. Wie die Organisation letztendlich dann doch gestaltet wird? Nun das wird so manche Gespräche und auch einiger Kompromisse zur Folge haben. In jedem Falle sollte es keinen „Bestimmer“ geben sondern geteilte Verantwortlichkeiten.



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Lieber Andreas!

Es wird nicht mehr lange dauern, bis die alten Götter Offiziell anerkannt werden, weil immer mehr sich fragen: "Waren wir denn schon immer Christen oder war vorher etwas?". Ab diesem Punkt forschen wir und entdecken, das unsere Vorfahren anders dachten und aus Gott wird Götter und so finden wir zurück an den Usprung.

Ein Tempel wird und soll auf jeden Fall gebaut werden um die Kirche und besonders alle heutigen Christen darauf aufmerksam zu machen, das wir nicht vergessen haben und uns erinnern woher wir stammen.

In Schweden, wo auch einst Uppsalla stand, der große Tempel der Götter überlegt die Asatru Gemeinschaft bereits intensiv einen Tempel zu errichten!
(Die meisten heutigen Kirchen wurden über den Tempeln gebaut)

In Deutschland bzw. Österreich würde man ein noch stärkeres Zeichen setzen und die Kirche daran erinnern was sie uns genommen haben.
Ich befürchte nur das es versuche geben wird, dies zu verhindern. Da die Kirche ihre Macht nicht gerne abgeben wird die sie mit aller Brutalität über Tausend Jahre aufgebaut hat.

Doch der Idee kann ich nur voll und ganz zustimmen und grüße alle!

Wotan und die Götter mit dir!