Mittwoch, 11. Juli 2007

Vom heiligen Krieg

Die christlichen Kreuzzüge, der moslemische Jihad, und wie sie alle heißen. Immer gab es bei den Menschen auf allen Kontinenten heilige Kriege.

Entweder ging es um die "wahre, Ware" Religion oder die "wahre, Ware" Ideologie. In ganz seltenen Fällen handelte es sich um ein Verteidigungskrieg in dem das ein Volk um sein Überleben kämpfte.

Heiliger Krieg besteht allein aus zwei Worten die erstmal nichts miteinander gemein haben und zudem insbesondere das erste Wort, aber auch das zweite, wenn auch mit kleinerer Spannweite unterschiedlich definiert wird.

Hier von West- und Mitteleuropa ausgehend hatten, und haben wir auch noch viel mit Glaubens- sprich Religionkriegen zu tun. Die Kreuzzüge der katholischen Kirche erzählen über Jahrhunderte eine grausame Geschichte von Tod, Raub, Brandschatzung, Sklaverei, von Not und Elend die historisch als Tatsache gelten.

Der dreißigjährige Krieg wird jedoch seltsamer Weise nicht als heiliger Krieg definiert nur als "gewöhnlicher" Religionskrieg. Dabei ging es doch genau darum die Heiligkeit der "Mutter Kirche" die "heilige" katholische Kirche in Frage zu stellen.

Versuch einer Allgemein-Definition:
Heilig – als heilig bezeichnen wir Menschen alle Dinge die uns Vollkommen erscheinen, da wir uns selbst nicht als vollkommen sehen. Heilig ist was wir in direkten, unmittelbarem Bezug zu dem "Vollkommenen" zu dem "Göttlichen, Göttern, Gott" setzen können.

Krieg – als Krieg bezeichnet man gewaltsame Auseinandersetzung zweier Gruppen mit der Begründung des in Unrecht Setzens der jeweils Anderen.

Demnach ist ein heiliger Krieg das sich die eine Gruppe der anderen zum Nachteil durch ihr Tun ins Unrecht zum Vollkommenen setzt.

Wenn man dieser Definition zustimmt, und das tue ich, dann waren die Kreuzzüge reine Eroberungsfeldzüge und nichts anderes. Denn Wenn Muslime ein Gebiet beherrschen in denen schon ihre Vorfahren beheimatet waren kann ein Führer einer Religionsgemeinschaft eines andere Kontinents sich wohl kaum in seiner Religionsausübung bedroht sehen nur weil der Gründer dieser Religion auch aus dem bewussten Gebiet kam Jahrhunderte zuvor. Wäre dem so könnten ja koreanische, chinesische, japanische, thailändische buddhistische Truppen in Indien einfallen und per heiligen Krieg das Land von den Hindus befreien. Allein die Vorstellung ist schon absurd. Und so eben auch die Kreuzzüge als heilige Kriege zu bezeichnen.

Das gewaltsame Eindringen in ein Land zur Befreiung von den dort lebenden "Ungläubigen" ist ein reiner Eroberungskrieg an dem nichts, aber auch gar nichts heilig ist. Es geht ausschließlich um Machterweiterung.

Auch das sich selbst in einem Land in die Luft sprengen als Racheakt an stark frequentierten zivilen Zielen um dem "feindlichen" Staat Schaden zu zufügen hat nichts mit heilig zu tun. Sondern mit einfacher Rache, mag sein mit einer gewissen Ohnmacht weil andere Wege der Kriegsführung nicht möglich sind.

Für mein Verständnis muss ein direkter Bezug herstellbar sein wie eben bei dem Verteidigungskrieg eines Volkes das um sein Überleben kämpft.

Als Beispiel mögen die Kriege und Kämpfe der First Nation gegen die Spanier und Kolonialmächte der Engländer dienen in denen ganze Völker ausgerottet wurden. Ein solcher Krieg mag aus der Sicht des tatsächlich Bedrohten durchaus ein heiliger Krieg sein und das nicht zu Unrecht.

Ein Macht - Erweiterungskrieg kann also niemals, wirklich niemals ein heiliger Krieg sein. Auch kein Präventivkrieg einer eventuell, möglichen Bedrohung. Auch nicht ein Krieg der eine fremde Präsenz aus dem eigenen Lande vertreiben soll. Denn eine andere Macht bedeutet nicht zwangsläufig eine Ausrottung des dort lebenden Volkes oder seiner Grundlagen. Denn sonst müsste ja jeder Ausländer sich in jedem Land bedroht fühlen. Ja ich weiss der ist als Ausländer von sich aus dahin gegangen. Aber das ändert nichts am Prinzip.

Sumasumarum: Heilige Kriege sind allenfalls Kriege gegen die eigene totale Vernichtung, oder aber die direkte Bedrohung der ureigensten Werte und Glaubens, was mehr oder weniger dasselbe Ergebnis zur Folge hat.

Als Goebbels damals im Reichstag sprach vom totalen und radikalen Krieg des Deutschen Volkes gegen den Bolschewismus usw. usw. da dachte er selbst möglicherweise, er würde zu einem heiligen Krieg aufrufen. Jedoch hatte aber das dritte Reich selbst die Kriegshandlungen in Polen Tschechei und Frankreich gestartet und nur weil es dann eben schief ging vom heiligen Krieg zu sprechen ist fadenscheinig und anmaßend.

Das der Jihad die moslemische Version des heiligen Krieges auf Bin Laden und Konsorten zutrifft ist im besten Falle ein Witz, doch da Kriege nicht witzig sind ein Trauerspiel aber gewiss kein heiliger Krieg. Allerdings beim Kampf der Palästinenser gegen den Staat Israel bin ich da vom Prinzip her unsicher. Und ich muss es auch zu meinem Glück nicht entscheiden.

Keine Kommentare: